7 Points* (Bericht 04/2012 - 798)*

21.01.2012, Duisburg-Rheinhausen (Altes Mädchengymnasium)

NONSTOP STEREO
BAZOOKA ZIRKUS

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Kaum noch zu verarbeitende Gefühlemotionalitäten bereits im Vorfeldkopfkino: Mit Nonstop Stereo und Bazooka Zirkus gastieren gleich zwei Labelbands am heutigen (also gestrigen) Abend bei unseren Freunden von Westside e.V. im Alten Mädchengymnasium. Das ist schön. Am gleichen Tag hat Schalke ein Heimspiel. Das ist unschön. Denn das garantiert eine nervige Hinfahrt. Ja.

Der obligatorische Halt beim Budenmann meiner Wahl verunsichert mich zu allem Überfluss zusätzlich: "Mein Sohn" sagt er zu mir an der Stelle, an der er sonst "Chef" zu mir gesagt hat. Ein Kompliment? Oder ziviler Ungehorsam? Ich lass mir nichts anmerken, wünsche wie üblich noch einen schönen Abend und weiß genau, wie er bei ihm aussieht, beschäftige mich aber nicht weiter damit. Ich spaziere weiter Richtung Stadtteilbahnhof, als ein Bullenauto mit ca. 90 - statt der erlaubten 50 - km/h knapp an mir vorbeibraust. Nach zwei Minuten schreie ich ihnen hinterher: "Habt Ihr ´n Arsch auf, Ihr Wichser?" Keine Reaktion. Feiglinge!

In Oberhausen - was auf meiner Strecke liegt - spielen am gleichen Abend Suicidal Tendencies. Wen interessiert das schon, wenn im Mädchengymnasium das Original auftritt. Einen ganz sicher nicht: Den asiatischen Schalkefreund, der sich aus dem Stadion einen Rest zerrissene Pappe mit irgendwas mit Schalke drauf, mitgenommen hat. Darüber hinaus schmückt ihn ein viel zu großer Schalke-Plastik-Button mit drei kleinen Leuchtdionen drauf, die im Dreieck angeordnet sind und im Wechsel blau aufblinken. Der Mensch ist glücklich, das freut mich. Ob die beiden hinter mir auch so glücklich sind, weiß ich nicht: "Dat drei zu null war geil." - "Drei zu eins." - "Ja, dat war Scheiße. Dat drei zu null war aber geil!" - "Drei zu eins." - Pause - "Dat drei zu null, dat war geil!" - "Die hamm drei zu eins gespielt." - "Ja, aber dat drei zu null war geil!" - "Drei zu eins." - Pause - 2 x Refrain. Wieso muss ich gerade an den hier denken? Trotzdem: Es geht gar nicht um Schalke.

Als ich aussteige bilde ich mir ein, noch nicht genug gelitten zu haben und finde, dass ich mir mein Bier ruhig mal doppelt verdienen kann. Also laufe ich vom Duisburger Hbf, über Dellviertel, Hochfeld und Hochemmerich bis zum Mädchengymnasium in Rheinhausen. Eine dicke Blase und 1 Stunde 17 Minuten später, komme ich wunschlos glücklich am Ziel meiner Reise an. Und ohne Witz: Duisburg ist echt verdammt schön. Der Weg war quasi wie Urlaub, nur anders. Einzige bedrohliche Situation war das Hallenbad in Rheinhausen, welches vermutlich seit den 60ern dort steht. Ich habe da nämlich so ganz komische Anwandlungen in mir. Neben Platz- und Höhenangst, umgibt mich nämlich auch ein unerklärlicher Respekt vor großen Schildern, sobald diese sich in Überkopfhöhe befinden. So wie das Schild "Hallenbad". Auch so Dinge wie riesige Anzeigetafeln oder überdimensionale Gebäudehren lösen bei mir irgendeine komische Phobie aus. Ich bekommen dann das Bedürfnis, nur noch geduckt weiterzugehen, bis ich an der vermeintlichen Gefahr vorüber bin. Ob ich in meinem früheren Leben von irgend so einem Teil erschlagen wurde? Oder ob es damit zusammenhängt, dass ich im Alter von 5 Jahren mir mal selber einen dicken Pflasterstein auf die Rübe geschmissen habe, als ich versucht hatte, diesen über unsere 2 Meter hoche Gartentür zu werfen? Ich hab keine Ahnung. Aber ich bin heile ankommen und stolz wie Oskar. Das muss erstmal JEDER hier wissen! OK, die Neuwieder lasse ich mal aus, denn wenn ich denen sage, dass ich vom Hbf bis in einen anderen Stadtteil gelaufen bin, werden die mich mangels heimatlicher Vergleichsmöglichkeiten vermutlich angucken wie Auto. Denn schließlich dürfte meine läuferische Leistung hinsichtlich der Entfernung in etwa der des fünffachen Umfangs Neuwieds gleichen. Egal, alle sind mächtig stolz auf mich uns sagen Dinge wie "Aha.", "Und?", "Warum machst Du Idiot denn sowas?" oder "...".

Das einzige Manko am Westsidemädchenkeller ist die Bierauswahl. KöPi und Astra stehen zur Debatte, nachdem auch das Veltins aus dem Programm genommen wurde. Das hat fast Wittener Buden"qualität". Mein Wunsch für den Veltins-Ersatz, liebe Vereinsoberen: Beck´s, Jever oder Rothaus Tannzäpfle. Schmeckt, macht meinen Schädel und schmeckt. Und ´n Schädel macht´s auch nicht. Dafür schmeckt es.

Trotz der langen Reise befinden sich Nonstop Stereo immer noch beim Soundcheck, da eine alte arme Omi den Jungs hinten aufs Auto drauf raste. Zum Glück ist den Gitarren nix passiert und der Kassenmann sorgt für verdiente Lacher, als er ins Halleninnere stürmt und verkündet: "Fuffzehn Euro eingenommen und schon sechs mal fast geprügelt."

Der Rest ist schnell erzählt: Trotz etlicher Konkurrenzveranstaltungen war der Keller gut gefüllt. Bazooka Zirkus als erste und Nonsto Stereo als zweite Band wussten beide restlos zu überzeugen. Das Astra irgendwann auch. Den Rückweg zu Fuß sparte ich mir, da Johanna und ihr Hengst (sorry, der möchte nun mal so genannt werden) mir einen Platz im Autogefährt anbaten.

Ab da habe ich trotz Notizen tatsächlich Lücken. Aber wenn ich meine gekritzelten Worte richtig interpretiere, müssen im Zug noch ein paar Vollidioten gewesen sein, die nicht in die Schublade Mitleiderregend passen. Denn hier steht: "Kennt Ihr das? Ein Haufen Idioten, die meinen total lustig zu sein, aber einfach nur erbärmliche Scheißsprüche bringen und einen dann auch noch nach Bestätigung suchend doof angucken, weil sie meinen total cool zu sein. So dass man ihnen am liebsten für ihre sexistische Kackscheiße auf die Fresse hauen würde, aber andererseits einfach froh ist, wenn man einfach nur seine Ruhe hat." Witzigerweise kann ich mich daran echt nicht erinnern. Oder war die Autofahrt gemeint, haha. Wie auch immer: Sehr schöner Abend und nu is endlich feddich der Scheiß hier. Gute Nacht.


Disclaimer oder sowas: Sollte sich irgendjemand auf den Schlips getreten fühlen, so ist persönliches Nachfragen die beste Option. Die Berichte sind häufig von solch famosen Stilblüten wie Ironie, Zynismus, Satire, Übertreibungen usw. geprägt, so dass diverse Äußerungen möglicherweise in einen falschen Hals gelangen könnten. Wer es immer noch nicht verstanden hat und viel zu viel Zeit hat, empfehle ich diese Zeilen.


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 *) Die da ganz oben inne Ecke vergebenen Points beziehen sich ausschließlich auf die subjektive Qualität meines persönlichen Wohlbefindens an diesem Abend und haben somit nur sehr, sehr und vor allem sehr bedingt etwas mit den Bands selber zu tun. Die Zahl dient mir dazu, um mit nur einem Blick zu erkennen, ob es sich für mich im Alter lohnt, mich irgendwann mal an diesen Abend zurück zu erinnern. Der Rest ist ebenfalls für die Statistik: Das war Konzertbericht Nr. XX in 2012 (1.Zahl/2012) und in diesem Onlinzine der insgesamt XXX. Bericht (2. Zahl).


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