8 Points* (Bericht 09/2012 - 803)*
18.02.2012, Störtebeker (Hamburg)
SHEEP ON A TREE
BAZOOKA ZIRKUS
DEAD DEPRESSION
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Bis ich endgültig in der Lage war, meine Füsse halbwegs koordiniert in Laufstellung zu hängen ohne dabei kotzen zu müssen, verging geraume Zeit. Was für ein Glück, dass Sabbi das durchaus zu genießen weiß, dass ich mal nicht um 8-9 Uhr morgens durch die Bude oder den Bully springe. Da können wir den Grund für mein verlängertes Bettpensum auch ruhig mal ausblenden. Trotzdem bleibt uns noch Zeit genug, zwei wichtige Dinge vor dem abendlichen Konzert zu erledigen: Zum einen, einmal die Glashüttenstraße im Karoviertel runterzulatschen, weil grundsätzlich jedes mal, wenn ich in Hamburg bin, mir dort zufällig Jörn entgegenkommt. Und den Effekt will ich auf jeden Fall noch mitnehmen. Jörn ist der ehemalige Livemischer von Rantanplan, witziger und netter Mensch, zu dem ich so seit 15 Jahren keinen Kontakt mehr habe. Außer wenn ich die Glashüttenstraße langlaufe. Doch dieses mal kam er mir NICHT entgegen. Ich wollte schon vom nicht vorhandenen Glauben abfallen, als ich ihn auf einmal vor der Glashütte 85, DEM Getränkemarkt im Viertel, mit ´nem Kumpel und zwei Flaschen Bier doch noch erwische. Et is schon echt verrückt.
Wichtiges Ding zwei: Lecker essen gehen. Denn da ist man als Veganer in Hamburg bestens aufgehoben. Während wir uns am Freitag von der vegan-vegetarischen besseren Pommesbude in der Schanze beglücken ließen, wollten wir heute (also gestern) eigentlich wieder dem Leaf einen Besuch abstatten. Superleckerer Laden mit superleckerem Essen, leider nicht gerade preiswert, aber trotzdem absolut lohnenswert. Dort war allerdings schon alles ausgebucht, so dass wir auch ohne Reservierung in den Genuss kamen im Loving Hut zu speisen. Meine Fresse... MEINE FRESSE!!! Es ist echt unglaublich, wie lecker feste Nahrung sein kann. Saigon Sommerrollen als Vorspeise, als Hauptgericht "Kho To" (südvientnamesische Spezialität aus Seitan, Tofu-Hack und Ananas, geschmort in Gewürzmarinade mit Duftreis & Gemüse) und als Nachtisch gebackene Bananen mit veganem Eis. Wenn es sich schicken würde oder es zumindest das Ambiente zugelassen hätte, hätte ich mir durchgehend unten beigepackt und "boahr ey!"-Schreie ausgestoßen. Ich beschränkte mich darauf, das innerlich zu tun. Interessiert die wenigsten von Euch, doch wen es interessiert: Hin da! Lohnt sich sowas von!!
Als wir am Störte ankamen, war es noch immer viel zu früh. Witzigerweise trafen wir davor aber Mark (den es einst von Münster nach Hamburg zog) und wanderten noch auf ein Pilsbier in die Kogge. Der weiter folgende Abend war tatsächlich fast mit dem vorherigen zu vergleichen. Nachdem mir zunächst zufällig Fabian und Jakob (beide einst im Pott beheimatet, jetzt in Hamburg wohnend) über den Weg liefen, trat mir kurz danach tatsächlich auch noch Jenny unter die Augen. Ich glaub´s nicht. Vor 10-15 Jahren waren wir sowas wie allerbeste FreundInnen, hatten aufgrund der Entfernung (Jenny: Köln => Berlin => Dorf in der Nähe von Lübeck) zunächst nur noch sporadischen Schreibkontakt, bis das ganze leider immer mehr bis komplett einschlief. Und jetzt steht se auf einmal im Störte, wir kriegen uns beide kaum ein. Irgendwie hat Hamburg - abseits von jedem Gelaber - was magisches. Weiß der Henker.
Weniger magisch erscheint uns der Soundcheck der ersten Band, der bis in die Räumlichkeiten im Keller dringt und durch Mark und Bein geht. Laut Konzertinfo machen die dafür verantwortlichen Herren "true Emo-Oi!". Wenn man als Punkrocker irgendwas als "Krach" bezeichnen darf, dann das. Durchgehendes "Oioioi!"-Geschrei und Rumpeldiwumpel. Als gegen 23 Uhr diese Kombo den - für unsere Verhältnisse - schon späten Abend beginnt, wackel ich trotzdem mal hoch und bin völlig perplex. Mit dem, was da vorher durchdrang, hatte das wenig zu tun. Zunächst spielte die Kombo, die auf den Namen "Dead Depression" hört, knapp 20 Proll-Oi!-Stücke von etwa je 30 Sekunden Länge. Doch bei weitem nicht so grausam, wie wir es aufgrund der Soundcheck-Geräusche befürchtet hatten. Ganz im Gegenteil, da wurde uns tatsächlich brauchbares Liedgut entgegen geschmettert. Nach geschätzten 20 Minuten wechselten dann Schlagzeuger und Sänger ihre Plätze und das komplette Set wurde noch einmal gespielt. Allersdings jetzt im beeindruckenden Hardcore-Gewand. Wie geil ist das denn bitte schön? Der amerikanische Sänger beherrscht sein Handwerk verdammt gut und mir steht ein durchgehendes Grinsen ins Gesicht geschrieben. Hammer, Hut ab!
Bazooka Zirkus wissen mich eh zu überzeugen. Das müssen sie ja auch, steht schließlich so im Vertrag. Inzwischen auch wieder zu viert. Philipp heisst der neue Mann an der zweiten Gitarre und fügte sich nahtlos in die Kombo ein. Als letzte Band betraten "Sheep on a tree" die Bühne, alte Hamburger Urgesteine, die sich für zwei Gigs wieder zusammengefunden haben und uns schönen Oldschool-Punkrock um die Lauscher schmettern. Bravissimo!
Trotzdem streichen wir bereits vor dem Ende die Segel, weil im Arsch und bloß nicht noch so einen Morgen erleben, wie den heutigen (also gestrigen). Als wir am Pennbully ankommen ist es auch schon 3.15 Uhr oder so - für uns ja sowas wie tiefste Nacht, wo wach sein ja - glaub ich - eigentlich auch längst verboten ist. Und so kann ich auch wieder um 8 Uhr fast fit wach werden und blablablablabla... lange Rede, kurzer Sinn: Die zwei Tage Hamburg haben sich sowas von gelohnt und gehören mal ganz nach oben auf die Liste. Viele Leute getroffen, von Eindrücken halb kaputt geschlagen und alles super und tralalala. Ausnahmsweise mal alles richtig gemacht. Gute Nacht.
Disclaimer oder sowas: Sollte sich irgendjemand auf den Schlips getreten fühlen, so ist persönliches Nachfragen die beste Option. Die Berichte sind häufig von solch famosen Stilblüten wie Ironie, Zynismus, Satire, Übertreibungen usw. geprägt, so dass diverse Äußerungen möglicherweise in einen falschen Hals gelangen könnten. Wer es immer noch nicht verstanden hat und viel zu viel Zeit hat, empfehle ich diese Zeilen.
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*) Die da ganz oben inne Ecke vergebenen Points beziehen sich ausschließlich auf die subjektive Qualität meines persönlichen Wohlbefindens an diesem Abend und haben somit nur sehr, sehr und vor allem sehr bedingt etwas mit den Bands selber zu tun. Die Zahl dient mir dazu, um mit nur einem Blick zu erkennen, ob es sich für mich im Alter lohnt, mich irgendwann mal an diesen Abend zurück zu erinnern. Der Rest ist ebenfalls für die Statistik: Das war Konzertbericht Nr. XX in 2012 (1.Zahl/2012) und in diesem Onlinzine der insgesamt XXX. Bericht (2. Zahl).





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