6 Points* (Bericht 07/2012 - 801)*

11.02.2012, Bahia de Cochinos (Castrop-Rauxel)

SIR REG

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Ich freue mich immer wie... genau... Hulle...., wenn wieder ein neues Fanzine im Briefkasten liegt, denn das ist für mich immer ein Grund zu baden und somit auch zur Körperpflege. Der Zustand und Duft meiner Haut korreliert quasi mit der Häufigkeit der Veröffentlichungen von punkgerockten Printmedien. Es gibt einfach keine bessere Beschäftigung während des Badevorgangs, als ein Stück Fanzine zu lesen. Leider kommt man bis zum totalen Aufweichen nicht weit und insbesondere bei den Gazetten, die mit sehr kleinen Schriften unbegeistern (!), kriege ich auch angesichts der mangelhaften Lichtversorgung in dem Raum, in dem unsere Badewanne steht, oft frühzeitig Wackelaugen. Ihr kennt Wackelaugen nicht? Seid froh. Ansonsten ist die Zeit für Lesespaß in meinem erfüllten Leben leider sehr rar, so dass ich mich oftmals auf meine favorisierten Inhalte beschränken muss. Und das heisst vor allem: Kolumnen. Im Falle des gerade konsumierten Oxs (?!) sind das in erster Linie natürlich die immer wieder fantastische Spalten des Herrn Gräbeldinger, den einige von Euch auch als Karate Disco-Trommler und mittlerweile Buchautor kennen dürften. Und zum weiten ist da die Rubrik "Aus dem Tagebuch eines Gewinners" von Tom van Laak. Bei Tom ist das Herausragende, dass ich so ziemlich alles, was er schreibt, nachvollziehen kann. Da fühl ich mich nicht selten an mich selber erinnert. Doch heute war das beim Wannengang anders. Ich zitiere: "Mittlerweile ziehe ich sogar beim großen Toilettengang nicht mehr ab, wenn mein Kreislauf wieder mal einen Meter hinter mir steht. Damit ich im Notfall schneller gefunden werde." Krass!! Also nee... so alt fühl ich mich ja dann doch noch nicht, dass ich mir die Blöße gebe, nicht mehr abzuziehen, so dass ich im Falle einer Ohnmacht aufgrund des Gestanks schneller gefunden werde. Also bitte.... da müssen schon noch etliche Jährchen draufkommen und wahrscheinlich stinke ich dann (wegen meiner bis dahin aufgrund diverser Kleinschriften sicher sehr ausgeprägten Leseschwäche) eh dermaßen, dass sowieso niemand einen Unterschied bemerken würde. Zumindest müffeln tut man doch im Alter. Also im noch deutlich späteren Alter, als jetzt. Ich kann es nicht glauben. Hat Tom tatsächlich in den zwei Monaten einen dermaßen großen Altersschritt gemacht, dass seine Lebensgeschichten für mich nicht mehr nachvollziehbar sein sollen. Ich les noch mal nach und siehe da.... hab ich mich doch verlesen: "Mittlerweile schließe ich sogar beim großen Toilettengang nicht mehr ab, wenn mein Kreislauf wieder mal einen Meter hinter mir steht. Damit ich im Notfall schneller gefunden werde." Ich bin beruhigt, verlasse die Badewanne, setze mich aufs Klo und wander dann mit Sabbi gut gelaunt zur Bushaltestelle. Puuuh.

Die Hinfahrt verläuft problematisch. Das hat zwei Gründe und drei Schuldige. Neben dem Busfahrer stehen zwei weitere Bedienstete des öffentlichen Nahverkehrs. Darüber hinaus sind die Sitzplätze des Busses irgendwie scheiße angeordnet, sprich jeder beschissene Sitzplatz ist von unseren drei neuen Feinden einsehbar. Was für eine höchstpeinliche Situation. Früher hätten wir darauf geschissen und beidhändig die Granaten in uns reinlaufen lassen. Heute aber sitzen wir verkrampft auf unseren Plätzen und versuchen verzweifelt unsere Bierflaschen so zu halten, dass das Trio keinen Einblick bekommt. Denn Konsumieren ist zwischen Witten und Castrop-Rauxel strengstens verboten. Was für eine Demütigung, die ich versuche, innerlich schallernd lachend verarbeite. Doch der Scham sitzt dennoch tief. Vermutlich war es den dreien eh völlig Scheißegal, aber das macht die Sache nur noch beschämender.

Bochum und Dortmund durchfahren wir ohne größere Zwischenfälle. Nicht einmal Fahrgäste, die für unsere Belustigung sorgen und uns von unseren Qualen ablenken, steigen heute ein. Also steigen wir aus und zwar 56 Sekunden Fussweg vom Tor ins Paradies entfernt. Dahinter ist es schon überraschend voll. Und das überraschendste dabei ist: Ich bin hier der Jüngste! Meine sexuelle Orientierung trägt zu dieser Tatsache selbstredend bei (na jetzt überlegt mal). Ich hatte hier ein völlig anderes Publikum erwartet. Mehr so kurzhaarig und das eben NICHT altersbedingt. Doch allen Frisuren zum Trotz füllt sich der Laden weiter und weiter. Erst als die Band die Bühne betritt, bewegen sich plötzlich erscheinende jüngeren (naja, so ungefähr wie wir halt) BesucherInnen nach vorne. Wobei es mir mal wieder ein Rätsel bleibt, warum vor der halben Bühne so wenig Menschen stehen und sich im hinteren Bereich der Pinte, wo man ja nun wirklich gar nix mehr sieht, die Massen stapeln. Euer Bier.

Apropos Bühne. In der Bahia hat diese bekanntlich eine "Größe", dass selbst der Schlagzeuger - je nach Umfang und Menge seiner Trömmelchen - Probleme bekommt, sich da noch draufzuquetschen.Sir Reg schaffen es hingegen sich dort zu dritt aufzuhalten. Plus Schlagezeug. Das dürfte locker für einen Guinnessbucheintrag reichen. Telefonzelle war gestern.

Sabbi meint eine Ansage des Sängers vernommen zu haben, die übersetzt so lautet: "Unser letztes Album heisst (!) Doppel-CD". Wenn das wirklich wahr ist, fände ich das hochlustig, vor allem, wenn nur eine CD drin wäre. "Die heisst bloß so." Ansonsten wissen mich Sir Reg musikalisch verdammt mitzureißen. Die Schweden knallen Castrop-Rauxel eine ordentliche Ladung Folk-Punk um die Lauscher, der eine nicht erwartete Eigenständigkeit besitzt. Was mir nur bei vielen dieser Bands gehörig auf den Sack geht, sind diese Mitschlatsch-Animations-Momente. Nahezu mechanisch greifen Sabbi und ich jedes mal instinktiv zum Bierglas, damit wir nicht ganz so doof dastehen. Mit fortlaufender Zeit und rapide ansteigenden Animationsperioden, steigt auch mein Verdacht, dass Wirt Kriete mit der Dame und den Herren einen Deal geschlossen hat. Davon lasse ich mich aber nicht beirren und bestell mir noch´n Bier.

Wir haben nach Konzertende tatsächlich noch einen fast 30 Minütigen Puffer, bis unsere letzte-bis-fast-vor-die-Haustür-Bus-Verbindung eintrudelt. Sprich bis 22:51 Uhr. Da kippen wir doch schnell noch was in uns rein, bevor wir im Takte klatschend den Ort des schönen Abends verlassen.

Die Fotos sind leider mal wieder nicht gerade dolle geworden. Keine Ahnung, was mit der Knipskiste los ist. Außerdem war natürlich wieder alles viel zu orange. So wie vorgestern. Und die Konzerte davor. Ihr wisst schon. Schönen Sonntach.


Disclaimer oder sowas: Sollte sich irgendjemand auf den Schlips getreten fühlen, so ist persönliches Nachfragen die beste Option. Die Berichte sind häufig von solch famosen Stilblüten wie Ironie, Zynismus, Satire, Übertreibungen usw. geprägt, so dass diverse Äußerungen möglicherweise in einen falschen Hals gelangen könnten. Wer es immer noch nicht verstanden hat und viel zu viel Zeit hat, empfehle ich diese Zeilen.


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 *) Die da ganz oben inne Ecke vergebenen Points beziehen sich ausschließlich auf die subjektive Qualität meines persönlichen Wohlbefindens an diesem Abend und haben somit nur sehr, sehr und vor allem sehr bedingt etwas mit den Bands selber zu tun. Die Zahl dient mir dazu, um mit nur einem Blick zu erkennen, ob es sich für mich im Alter lohnt, mich irgendwann mal an diesen Abend zurück zu erinnern. Der Rest ist ebenfalls für die Statistik: Das war Konzertbericht Nr. XX in 2012 (1.Zahl/2012) und in diesem Onlinzine der insgesamt XXX. Bericht (2. Zahl).