07. Februar 2010
Date: 05/02/2010
Venue: FZW Dortmund
Event: Visions/Sabotage Party
Line-Up: Smoke Blow, Young Rebel Set, vs. Rome
Review nr. 618, Gig nr. 5 in 2010 (4/5 points*).
Meine Fresse. Gestern war ich tatsächlich nicht einmal in der Lage den Bericht zu schreibe.n Die äusseren Umstände im FZW blieben nicht ohne Folgen. Ich fühlte mich gestern sogar so beschissen, dass ich nicht einmal Kaffee in mich reinbekommen habe. Seitdem mir davon bei stark überhöhtem Getränkekonsum alkoholischer Art hin und wieder unwohl wird, habe ich freiwillig darauf verzichtet und blieb lieber da liegen, wo es mir auch nicht viel besser ging. Der Reihe nach:
Das FZW zu Dortmund ist vor einigen Monaten umgezogen. In die Nähe des Hauptbahnhofs, ich schätze ne viertel Stunde Fußweg durch den Regen. Vermutlich grundsätzlich (wieso baut man das Teil dann nicht direkt neben das Niederrheinstadion, dann spart man sich einen Regenschauer). Bisher hab ich meinen Arsch da nicht hinbewegen können. Waren die meisten Veranstaltungen doch von der Größenordnung her so angesiedelt, wie ich es nicht mag. Dabei spielen die Eintrittspreise (ich glaube das einzige was bisher unter 10 Euro war, war irgendeine Ü30-Party.... Schnauze!!) nicht mal die wesentliche Rolle, sondern viel mehr, dass mich die auftretenden Bands nicht die Bohne hintern Ofen hätten vorlocken können. Das verbunden mit großen Menschenansammlungen ist eh nicht mein Ding. Drei gute Gründe also, den Schuppen bis vorgestern zu meiden.
Da war dann "Visions-Party", wie sie früher im inzwischen geschlossenen Sabotage stattfanden. Da war ich mal und fand es auch OK. Dieses mal also im neuen FZW zu einem fairen Eintrittspreis von 6 Euro. Dazu konnte man sich Gutscheine ausdrucken, so dass man den ganzen Abend zwei Fassbier zum Preis von einen bekam. Heisst auffen Punkt gebracht: 0,6 Liter Pivo für 2 Tacken. Klingt nach ziemlichen Kopfschmerzen - trotz Rauchverbots. Was ich im übrigen, wo ich jetzt schon ne ganze Zeit gar nicht mehr qualme, nur begrüßen kann. Dachte ich doch ne Zeit lang auch immer "stellt Euch nicht so an", weiß ich inzwischen nur zu gut, was vollgequalmte Räume doch Scheiße sein können. Ja, blabla. Die Bandauswahl selber hielt sich in Grenzen, da ich lediglich Smoke Blow kannte und ich entgegen den meisten anderen unter der Ruhrpotteigenen Sonne, mit denen noch nie so richtig was anfangen konnte. Latte, Alternativen gibbet heute eh keine, das FZW muss man sich ja irgendwann mal geben und der Preis ist OK: Kühlschrank auf, Wegbier gegriffen und ab die Wurst.
Gestartet wurde von meinem 5/7-Wohnsitz Witten. Ist von der Anreise her immer etwas umständlich, aber liegt nah an Dortmund. Erster Umstieg: Rathausplatz Witten. Kerl inne Kiste. Zwischen 1994 und 1996 muss hier Ausgangssperre geherrscht haben, wie der unverbesserliche Mathematiker sofort erkennen dürfte. Jede Menge 14- bis 16-jährige Nervköttel, die nicht einmal alle zusammengehörten, sondern mit diversen Abständen hier ihre Langeweile verrichteten. Aber auch lustige Beobachtungen kann man zu dieser Zeit hier machen: Schickimicki-Tuse in besagtem Alter, steht angepisst an der Bushaltestelle, 5 Meter daneben ein Typ, der besser als jeder andere in den Sack "Reiche Eltern, Tennisspieler, Golfer, Markenklamotten, möchtegerncoolundschön, usw." passt. Dieser gafft die angenervte Tuse ununterbrochen an, so in vermeintlicher Mackerscheiße-Art halt. Doch dann geht er auf sie zu und aufgrund des lautstarken Disputs ist schnell klar, dass die beiden offenbar zusammen gehören. Bzw. gehörten. Kurz danach trennen sich die Wege wieder, es knallt tierisch hinter uns und wir hören noch noch Splitter klirren. Einmal um die Haltestelle rumgeganen sehen wir, dass der sich Vollidiot plärrend und sich die Hände haltend davonwindet, weil er vor Wut meinte mit der Faust eine gut 2-3 cm dicke Scheibe des Haltestellenhäuschens einschlagen zu müssen. Und dann auch noch rumheulen. Lappen! Seine (Ex-?)Perle ist da schon konsequenter und rennt erst recht angenervt ohne den Blick zur Seite zu richten, über die Straße und natürlich direkt vor ein Auto, das in aller letzter Sekunde bremsen und Richtung Gegenverkehr ausweichen kann. Der Tuse macht das nix aus, sie geht wie ein Rohspatz schimpfend weiter geradeaus und lässt sich im Vorbeigehen noch von zwei ca. 10jährigen gnadenlos vollpöbeln. Wäre Herbert Grönemeyer in Witten geboren, was hätte er dann bloß gesungen?
Endlich am FZW angekommen ist der erste Eindruck gar nicht mal soo übel. Von weitem jedenfalls nicht. Denn da sieht das Gebäude gar nicht so groß, sondern durchaus noch recht angemessen gehalten aus. Doch das ist leider auch nur der erste Eindruck. Schließlich entpuppt sich das Gebäude als Betonklotz mit viel Scheiben, wo man angeblich so stolz auf die gekonnt eingesetzten modernen Elemente sein soll. Das ganze hinterläßt erst einmal den Eindruck eines Hochsicherheitstrakts, zumal die Unmengen von Security-Geschwader kaum zu toppen sind. Bereits am Eingang hat man es mit vier Wachmenschen zu tun und vor jeder Tür, neben jeder Bühne usw. steht mindestens ein Mensch einer Securityfirma. Ist das FZW nicht offiziell ein Jugendzentrum? Auf jeden Fall steht es unter den Fittichen der Stadt Dortmund. Wie auch immer: So eine Massenansammlung an für die Sicherheit sorgende Individuen (oder eben nicht Individuen) ist mir selten begegnet.
Schnell den Gutschein gegen das sogenannte VIP-Bändchen - cool, 88% VIPs hier - eingetauscht und zur Theke gechillt, haha. Im dortigen Kneipenraum spielten bereits "vs. Rome". Viel zu laut, grottenschlechter Sound und erst recht nicht meine Mucke. Also ganz schnell den zusätzlich erhaltenen Jägermeistergutschein gegen ein halbes Plastikpinnchen (=0,1 cl) eingetauscht und 2-für-1-Bier geordert (natürlich nur 2 gleiche Getränke. Pils + Krefelder geht z.B. nicht). Dass mich die Dame vor dem Zapfen noch fragt, ob ich so´n Bändchen hätte ("Ja, Baby, ich bin VIP!" - neee, hab ich so nicht gesagt... aber beinahe gedacht), lässt den Verdacht aufkommen, dass es für die Billigtrinker auch einen Extrazapfhahn Billigbier gibt. Doch wie mir später aus vermutlich sicherer Quelle berichtet wurde, soll hier überall Brinkhoffs drin sein. Wusste gar nicht, dass das so Scheiße schmeckt und so einen Schädel macht. Neben all den katastrophalen ersten Eindrücken spielt auch das Publikum mit und erweist sich für meinen Geschmack als auch nicht gerade viel cooler - also in der guten Art. Wo Spacken in Jacken schon die scheinbar coolsten sind....
Tuffy stellt fest, dass hier vermutlich Vormittags der Sportunterricht einer Gesamtschule stattfindet und irgendwie muss er recht haben. Auf einmal ein Geräusch hinter uns. Der die letzten Stunden und Tage vor Halle Nr. 2 - die mit dem "Doors 20.30 Uhr-Schild" - wortlos stehende Securitymann, öffnet - wortlos - die Eingangstüre und verschwindet in der Menge. Als dort die 2.Band des heutigen Abends (gespielt wurde in 3 Räumen mit kurzen Überschneidungen - was auch immer das mit den Überschneidungen bei 3 Bands soll) die Bühne betritt, betreten auch wir den Raum und sind im ersten Moment tatsächlich positiv überrascht. Ein wirklich recht gelungener Raum - klaro, kein AZ-Stile, aber das muss ja auch nicht immer sein - für geschätzte 400 Leute Platz, eine Empore dazu, ne Bühne mit anständiger Größe und tatsächlich ein guter Sound. Ach ja: Und ne Theke, wo es 2-für-1-Bier gibt (gibt es nämlich im Vorraum nicht). Auf der Bühne steht das Young Rebel Set, die neuste GHvC-Errungenschaft aus UK, und dank der gut eingesetzten Folk-Elemente - ohne den Eindruck einer Folk-Band zu hinterlassen (ääähhh) - sind wir erst einmal ganz zufrieden mit dem, was uns hier geboten wird. Irgendwo auf der Bühne hängt noch ein Liverpool-Trikot, ich hab 2 Bier in der Hand und ja... ist OK. Nix zum ausflippen, wie geil doch auf einmal alles ist, aber aufgrund der vorherigen Eindrücke irgendwie... beruhigend. Zumal der Herr, der auf der Bühne ganz links am Rand steht, offenbar Milchschäumer spielt. Zumindest bin ich mir sicher, dass er genau diesen ununterbrochen im Mund hat und damit musikalische Geräusche fabriziert.
Währenddessen verbietet die Security das Ablegen von Jacken in Bühnennähe und geht eigentlich nur mir das so, dass ich es unendlich Panne finde, wenn irgendwelche Menschen - seien es Musiker, Speichellecker, Pressefuzzis oder sonstwas - mit Unmengen an Backstageausweisen um den Hals oder anne Hose rumrennen, um damit rumzuprotzen, wo man denn in den letzten 50 Jahren überall (Backstage) war? Das habe ich noch nie verstanden und ich freu mich eigentlich immer, wenn in meiner Hosentasche noch Platz ist um dieses Rumgebammel zu parken. Wenn ich Rumgebammel haben will, dann.... äh... schon gut. Bimmel Bammel. Warum ich das Schreibe: Es gibt doch noch coole Leute, denn aufeinmal hetzt ein Typ an uns vorbei, der heute ebenfalls ganz eindeutig NICHT frei hat, und hat an sein um den Hals hängendes auffälliges Werbebembel nur eins hängen: Einen Schlüssel. Im ersten Moment scheint das unspektakulär, nicht aber nach 5 bis 8 mal 1-für-2-Biere. Da ist das verdammt cool, sich als Schlüsselkind zu outen, während alle anderen diesen Platz für dicke-Pimmel-Ausweise nutzen. Streicht den Absatz einfach.
Rotzalledem: Die Kombo da oben auf der Bühne würde optimal ins Dead Monkey Festival passen. Warum auch immer. Hui... ich kann gerade was auf meinem wichtigen Zettel erkennen. Also da, wo ich immer die Notizen hinterlasse, um am nächsten (übernächsten) Morgen noch in der Lage zu sein, nen Bericht zu schreiben. Ich zitiere: "Morgen ist das eh alles nicht mehr lustig." Schlauer Maks.
Ansonsten steht hier noch "Wand pissen" (keine Ahnung warum, ich war´s jedenfalls nicht) und einmal mehr frage ich mich, warum hier - wie schon beim Turbinenhalle-eigenem Personal - der einzige beschäftigte Dunkelhäutige der Klomann ist... nein, ich will hier niemandem irgendwas vorwerfen... aber irgendwie doch schon bemerkenswert, oder?
Smoke Blow spielen schließlich in der letzten - wer hätte das gedacht - bis zur Öffnung der Türe von einem Securitymann stumm behüteten Halle. Die ist größer als jede Zeche Carl-/Altenberg-/sonstwas Halle und irgendwer hinter mir tritt ein und stammelt ein "Gruga-Halle?" heraus. Naja, so groß zwar auch nicht, bei weitem auch nicht so wie die Turbinenhallehalle, aber 1.500 Leutchen haben hier wohl schon Platz und wenn das irgendwas ist - es ist nichts für mich. Ich versuche mich von Smoke Blow dann doch mal etwas mitreißen zu lassen, aber irgendwie will bei mir auch dieses mal nicht der Funke überspringen. Das gewisse Etwas, was die Herren bei einigen anderen auslösen, ist bei mir irgendwie verloren gegangen oder war niemals da. Scheißegal. Setzen wir uns doch in die Vorhalle und trinken noch 2-für-1-Biere und unterhalten uns angemessen über Belanglosigkeiten.
Ich hab hier jedenfalls meine Schuldigkeit getan und kann jetzt beruhigt den fünften Kaffee des Tages in mich kippen. Viva la Nachholbedarf. Prost.




Kommentare
Im übrigen fand ich weder das Bier, noch die Hallengröße, noch den Betonestrich problematisch, aber das ist wohl auch Geschmacksache.
ich kann nich mehr... jetz geh ich mal auf die plastic bomb seite und geb denen diesen grandiosen trick von hannahknut weiter. so wird man ein großes magazin!!
ps: brinkhoffs schmeckt beschissen und n mieses schädelbier isset auch!
was denn jetzt? hannah oder knut?
Da hatte aber einer schlechte Laune....Das das neue FZW ein Drecksladen ist, hatte ich ja schon mehrfach festgestellt. Allerdings war das die bislang beste Vorstellung in dieser Location. Und das lag nicht an den Bands, sondern an der nachfolgenden Mukke aus der Konserve...
Unauffälligen sein Sohn, und den Abend habbich nur Sabbi kurz gesehen)
Young Rebel Set waren übrigens unerträglicher Hippieschrott, mit einer Belanglosigkeit, die sich dermaßen ins Extreme steigerte, dass dadurch dann doch noch der einzige künstlerische Anspruch - keinem weh zu tun - um Längen verfehlt wurde. Lange nicht mehr so einen Rotz auf einer Bühne gesehen - wahrscheinlich, weil ich so selten auf Stadtteilfeste gehe.
Aber SB haben ganz gut gerockt.
Aber schäbbiger Laden, schäbbiges Publikum, schäbbiges Schädelbier, wenigstens da simma uns einig.
PS: War dat anner Bushaltestelle nich der Elegante?