Date: 05/03/2010
Venue: Monopol. Leiwen
Line-Up: Casanovas Schwule Seite, Hölle un Ääd, Glück umsonst, Betrunken im Klappstuhl
Review nr. 622, Gig nr. 9 in 2010 (5/7 points*).

Olé! Et Ete hat Geburtstag und feiert - wer hätte das gedacht - mit einem Pool voller ihrer Lieblingsband, welche zu einem nicht unerheblichen Teil aus dem Köln-Bonner-Raum, genauer gesagt aus Köln, stammen. Seit verfickten Jahren nehme ich mir vor, die dazu ausgesuchte Lokalität namens Monopol, fern der (hate your?) Heimat zu frequentieren, welche sich inmitten eines beschaulichen Mosel-Dörfchens befindet, wo der Vetter neben dem Vetter neben dem Vetter wohnt. Als Headliner türlich eine Claussche Band und zwar die, der ich am meisten abgewinnen kann. Immerhin sind CSS-Konzerte tatsächlich nach wie vor äusserst rar gesäht und die einzigen beiden die ich bisher miterlebt hatte, waren mitunter Höhepunkte. Und da am Tag darauf im angrenzenden Trier die Label-Bediensteten aus Duisburg anrollen sollten, bot es sich einfach mal an persönlich zu gratulieren.

Unterwegs fragte Sabbi dann auch noch mal nach "wann hat die Ilona denn Geburtstag?" Ähh... scheiße. Erstens keine Ahnung und zweitens stimmt: Die hat(te) ja Geburtstag. Also schnell ein Geschenk ausgedacht um vor Ort zu verkünden, dass wir das vergessen haben und es hinterhergeschickt wird. Is ja auch nich ma gelogen. Ete Ilona hat sich für den Tag auch direkt Fieber ausgesucht und war nur selten zu sehen. Ähnliches tat im übrigen The Kleins-Trommler Keith, so dass die abendliche Freizeitplanung für den Samstag schon mal zu den Akten gelegt werden konnte. Gut so: Muss ich mir wenigstens keine Gedanken machen, ob mein Körper dem legalen Drogenansturm auch gewachsen ist.

Doch bevor all dies und das geschehen konnte, bezogen wir zunächst unsere nächtlichen Rückzugsmöglichkeinten, unweit des Monopols. OK, unweit ist das quasi alles, aber hier ist es noch unweiter, sprich 20 Meter oder so. Leider hatten wir uns dann doch eher spontan für die Anreise entschieden, so dass die preiswerten Zimmerchen im Monopol selber alle überbelegt waren. Wat sollet: 30 Euro für ne schnieke geräumige Ferienwohnung, wo die Zeile "renn wild wichsend durch das Haus" rein theoretisch Anwendung finden könnte, ist doch noch im Bereich des Akzeptablen. Das Leben ist nun mal kein AZ, wie ich vor mittelkurzem gelernt habe. Und als der Hausherr (wenn man sich so im Dorf anschaut, mit welchen Tätigkeiten die wenig anzutreffenden Damen und Herrn gerade beschäftigt sind, so hat dieser traditionelle Begriff hier auf alle Fälle seine Berechtigung) schließlich die Hand aufhielt und auf meine Frage: "Wat macht dat gezz nomma?" grinsend "30 Euro." antwortete und ich ihm die Asche bar auf die Kralle drückte, schaute dieser mich mit großen entsetzten Augen an: "Neeiiin!!! 30 Euro pro Person natürlich!!". Ach? Gut mal so langsam zu erfahren. Dafür wichs ich jetzt aber echt  in die Stube und überhaupt habe ich mich ja im Vorfeld schon gerächt, als ich am Donnerstag anrief und (irrtümlich) behauptete "wir brauchen eine Unterkunft für eine Nacht: Von heute auf morgen.". Um 22 Uhr Donnerstag-Abend rief er an, wo wir denn bleiben würden. Na wir kommen doch erst morgen. Ach? Gut mal so langsam zu erfahren.

Blablablablabla. Wir waren noch verhältnismäßig früh, da der Stau uns nur unübel mitgespielt hatte. Da Pommesbuden, etc. weniger als rar waren, fielen wir in die Gaststätte über dem Monopol ein, wo es neben allerhand Wildgut und ähnlichem Getier immerhin sehr schmackhafte Pizzen mit Katze und Hund gab. Haha, kleiner Scherz am Rande,  Katzen gibt´s hier gar keine. Wir wählten die Variante mit Basilikum.

Beim Austritt aus der Pizzeria wurde ich seitlich von zwei Jungs mit den Worten "Ey, Du bist doch der, dem der Bully abgefackelt ist!" begrüßt. Wer den Köln-Bericht letztens nicht gelesen hat: da hatte mich ein Duo mit den Worten "Ey, Du bist doch der, der immer besoffen ist und sich deswegen alles aufschreibt, damit er nix vergisst!" angehauen. Albern wäre jetzt den Absatz mit den Worten "nun ratet mal, wer das war" zu beenden.

Wir schoben uns schließlich wieder die Treppe ins Monopol hinunter. Ein wirklich sehr ansehnlicher Club. Bis vor kurzem noch ohne Bühne, so dass die BesucherInnen auf die Band hinunter schauten, da diese sich bei den Auftritten noch auf dem Boden eines ehemaligen Schwimmbeckens befand Nach dem letzten Kölner Auftritt, als der Boden aus 10 cm (Füllhöhe) Öttinger bestand, hat man inzwischen dem Spielchen ein Ende bereitet und eine Erhöhung, sprich Bühne, auf den Rand des Schwimmbeckens befestigt. Wo wir beim Thema sind: Bit vom Fass oder aus der Kanne, wie es einem beliebt, gibt es für 2 Tacken für 0,3(3) Liter. Für ein AZ wäre das zu teuer, für einen gewöhnlichen kommerziellen Laden ist das irgendwie nicht teuer genug. Da bleibt einem das Gemeckere im Halse stecken. Und so nach und nach füllte sich der Laden. Sowohl mit einer Unmenge von Menschen, als auch dazu überproportional korrelierend mit Qual, Qualm und Qualm, so dass selbst mein eh schon nicht berauschender Fotoapparat sich weigerte, auch nur annähernd akzeptable Fotos zu machen. Ist man in der Hinsicht ja eigentlich schon so einiges gewohnt, setzte der Wirt, Hausherr oder wer auch immer, diesem hier noch förmlich die altbekannte Krone auf. Da frag ich mich echt, warum ich mir das Qualmen abgewöhnt habe, denn das, was ich hier passiv konsumierte, dürfte locker an mein einstiges Wochenendkonsumvolumen herangereicht haben. Ich glaub wir waren insgesamt drölf mal vor der Tür um auf allen Vieren kriechend nach Luft zu japsen, die es hier zum Glück gab. Is ja ländlich hier.

Die Zeit, die wir vor dem Startschuss innerhalb des Gebäudes totschlugen, hielten wir uns meist an der Theke auf, wo nach und nach etliche bekannte Gesichter vorbeischauten. Spielten doch n Tag später die Herren Chefdenker noch in Karlsruhe und kamen mit ner ganzen Mittelbusbesatzung an. So nach und nach trudelten alle ein und auch Ulf hatte sich inzwischen ausreichend Mut angetrunken um uns zu langweilen. Seit nun mehr Jahren immer wieder die gleiche Leier: Der "nüchtern ist er schüchtern, voll ist er toll"(Eigenzitat)-Ulf, trinkt sich den erforderlichen Pegel an und meint dann lustig zu sein, indem er sich für so ziemlich jeden eine gar lustige, vermeintliche und an Flachheit nicht zu unterbietende "Beleidigung" ausdenkt.  Sei es beim doof neben einem stehen oder für die Allgemeinheit von der Bühne aus verkündend, indem er sich wahllos Leute aus dem Publikum aussucht. In meinem Fall ist das ein  immer wiederkehrendes, wahnsinnig originelles, "bist du alt!!", was er alle paar Minuten wiederholt. Ja, Ulf. Das mag einem geistig Achtjährigen natürlich so vorkommen. Zwar ist man geneigt , wenn beim 27.mal der Nervpegel dann tatsächlich erreicht ist, ihm eine auf ihn bezogene passende Antwort zu präsentieren, doch meine soziale Ader produziert in solchen Momenten dann doch zu viel Mitleid. Claus ist da schon rigoroser und verkündet später beim Auftritt von der Bühne aus, als er im Wechsel seine Nase unter seine beiden Achselhöhlen steckt: "Bäh, ich stinke hier... und ich stinke da... das muss passiert sein, als Ulf mich gerade berührt hat".

Die Dame und Herren "Betrunken im Klappstuhl" eröffnen dann auch irgendwann endlich das Set. Nicht wie angekündigt um 21 Uhr, sondern um irgendwas nach 22 Uhr. Da die Ersatzbesatzung Feuerwasser-Härp und -Ralf in Witten auf der Strecke geblieben sind, spielten BiK heute Vollplayback. Claus setzte sich hinters Schlagzeug und fuchtelte unwild mit den Armen rum, während die Reihe davor Mund und Finger zum Spaße bewegten. Vom Band kamen die Songs Lili, Lili, Lili, mal einanderer zwischendurch und wieder Lili. Ein nicht enden wollender "Spaß". Mag das für den einen oder anderen die ersten Minuten lang noch witzig erscheinen, so hat sich das doch irgendwann übermäßig ausgereizt. Claus hat auch irgendwann die Schnauze voll und zieht Kopfschüttelnd von dannen. Und während der Saal sich nach und nach deutlich leerte, beschlossen wir an der Seite stehend den Jungs ihren gebührenden - sich auf die Fahne schreibbaren - Abgang zu ermöglichen, indem wir zu fünft auf die Bühne treten und die Mini-Playpack-Show gewaltsam beenden. In Fachkreisen nennt man sowas "von der Bühne prügeln". Doch (fast schon) leider genau in diesem Moment drehte der Mischer den Jungs dann doch den Strom ab. Gefühlte 12 Stunden waren um.

Es folgten "Glück Umsonst", dessen bisherigen Reaktion - soweit ich diese nachlesen konnte - sich in zwei Lager teilte. Für die einen ist das toller Claus-Band-angelehnter Punkrock, für die anderen ein billiger Abklatsch eben dessen schon zu oft gehörtem. Ich persönlich kann deren Album zwar nicht abfeiern, finde es aber auch alles andere als schlecht. Und live wissen die Jungs anfangs auch wirklich zu gefallen. Mit der Zeit zieht sich jedoch auch das leider ein wenig. Mag es an der Boxhamsters-ähnlichen Bühnenshow liegen oder woran auch immer. Auf alle Fälle war das live nicht übel und von einer Knochenfabrikchefdenkercasanovaschwuleseiteimitation war es dann doch deutlich weiter entfernt, als es die Kritiker dem mechanischen Werk unterstellen.

Den vorläufigen Höhepunkt bescherrten uns Höllä un Ääd. Nachdem Achim - bei dieser Köllschen abnachvorne-Rock-undtrittallesaussemweg-Band am Gesang - sich zuvor offenbar in andere Sphären katapultiert hatte, drehte der sich sonst meist in anderen Kombos hinterm Schlagzeug ruhig sitzende junge Mann sowas von auf... es war himmlisch. Achim feierte sich berechtigterweise auf der Bühne sichtlich selber, wälzte sich übern Boden und rockte gemeinsam mit 2Lhud-Chris, WSK,etc.-Caddy und Glenn Fiddisch aus Irland das Monopol in Grund und Boden. Hüte ab!!

Als die Luft quasi endgültig aufgebraucht war betraten CSS die Bühne und setzten ihren Stempel oben drauf. Caddy, inzwischen natürlich längst warmgespielt, trommelte und redete sich in Rage. Und das immerzu mit einer unglaublichen Gelassenheit. Fiel uns ja bereits bei dem Bezug unserer Unterkunft auf, dass der Herbergsvadda uns verkündete, dass der, der da drüben wohnt sein Vetter sei und der daneben sein Neffe und sein Cousin, blablabla, so traf Caddy den Nagel auffen Kopp, als er unsere Erkenntnisse für die Öffentlichkeit ausformulierte, dass der Gen-Pool hier offenbar sehr eng zusammenliegen würde. Oder ähnlich. Während wir uns köstlich amüsierten, schien ein Großteil der Anwesenden es nicht verstanden zu haben. Naja, sicher erblich bedingt. So oder so: Es war verblüffend, wo all diese Leute herkamen, hier mitten auffem Dorf (1.500 Einwohner, vermutlich inkl. Nachbargemeinden) und neben uns gröhlten ein paar Jungs jede Zeile mit, die ich angesichts ihrer Optik und Gestik eher als "typische Fußballprolls mit aufgemotzten Prollkarren" einordnen würde. Also im Grunde genau Claus angepeilte Zielgruppe.

Joahr.... genug geschrieben glaub ich. Quintessenz: Äh... gut. Die Videos sind inzwischen auch fertig, Qualität ist eher beschissen, aber ich mach den Scheiß ja nicht umsonst:




Kommentare 

 
#3 mike 2010-03-09 21:59
laut fotos hab ich wohl doch mehr von den bands gesehen als ich gedacht habe.
 
 
#2 muks 2010-03-09 12:10
digga, ich hab deine IP...
 
 
#1 hengst 2010-03-09 11:27
Ulfs Humor ist super. Stinkstiefel und Spaßbremsen wie du sind mega-out!
 

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