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19/04/09
Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg

NOFX
THE FLATLINERS
DAN DRYERS

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[Mein Tagebuch, 20.04.09, 9:12 Uhr]

Vorgeschichte: Ich habe keine Ahnung, wann ich NOFX zum letzten mal gesehen habe. Vor 20 Jahren oder so erstmalig im Vorprogramm von Bad Religion, danach aber nicht wirklich mehr oft. Ich schätze es war irgendwann in den 90ern auf Zeche Carl. Weiß der Henker (vermutlich). Jetzt sollten sie im Rahmen der BMX Dirt-Jump-Session und Mountainbiking Slopestyle-Gelöte - fragt mich nicht, ich habe nicht den Hauch einer Ahnung davon - in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg spielen. Gesponsort wird das ganze Event von T-Mobile und ist somit fernab von dem, was ich in der Regel zu besuchen gedenke. Rotzalledem hätte ich schon große Lust, mir im 26. NOFX-Jahr die Herren noch einmal zu geben. Lange Rede, kurzer Sinn: Dank zweier Akkreditierungen bleibt nicht viel Zeit zum überlegen und so machen Sabbi und ich uns schon gegen Mittag auf, um uns mal was völlig anderes zu geben.

Als ich zur Presse-VIP-Hassenichtgesehen-Pass-und-Bändchen-Ausgabe schlender, tauche ich bereits in eine andere Welt ein. Das ist gelogen. Ich tauche gar nicht ein, sondern habe viel mehr das Gefühl, dass ich mich parallel daneben bewege und ein unsichtbarer Schutzwall zwischen dem und mir steht. Riesige Werbefahnen, grell pinke aufblasbare große Hände und überall irgendwelche Spieleboxen/-konsolen. Es ist gerade mal 12.30 Uhr, vor 14 Uhr beginnt hier nix und trotzdem ist vor dem Eingang bereits eine 100-200 Meter lange Schlange. Auch vor der Passausgabe dürften es ca. 50 Meter sein und als ich nach einer halben Stunde endlich drankomme, erhalte ich zwei gelochte Pressepässe und zwei Armbänder. Doppelte Absicherung. Darüber hinaus gibt es netterweise für 10 Euro Poker-Chips: "Mit denen kannst Du Dir was zu essen und zu trinken holen." Das ist nett, allerdings gelten diese auch nur für die VIP-Ebene, wie ich nach meiner ersten Bestellung am Bierstand für die Normalsterblichen erfahre. 0,25 Liter Astra vom Fass (!!) 2 Euro. Im VIP-Bereich ist es mit 0,3 Liter für 3 Euro sogar teurer. Meine Utopie, dass ich pro Chip n Bier oder n Essen bekomme, verpufft recht schnell, als ich sehe, dass ein Teller Nudeln 7 Chips (=7 Euro) kostet. Aber wir sind ja schließlich nicht zum fressen hier, sondern zum arbeiten. Bzw. zum Astra trinken.

Das Wetter spielt immerhin mit. Die Sonne scheint und draußen tummeln sich rund um den Leergut-Techniker bereits eine Menge Menschen. Unseren größten Respekt verdienen jedoch die vielen Szene-Menschen. Nicht, weil sie so ausgesprochen cool sind, sondern weil sie sich beim Sitz ihrer Hosen nicht alle zwei Meter auf die Fresse legen. OK, das mit dem "Respekt" ist eine der dreistesten Lügen, die mir je über die Tastatur gekommen ist und mir ist es darüber hinaus auch völlig latte, wie jemand rumrennt. Aber kann mir das vielleicht mal irgendwer erklären? Da laufen Praxtexemplare durch die Gegend, bei denen der Husenbund tatsächlich UNTER der unteren Arschfalte - also da, wo der Oberschenkel endet und der Arsch beginnt - baumelt. Wie machen die das? Was für Techniken muss man sich aneignen, damit das hält? Gibt es da auch nochmal spezielle Meisterschaften? Und sind Sammelbestellungen im Tchibo-Shop tatsächlich preisgünstiger?

Meine Fragen will mir hier niemand beantworten, also steigen wir die Treppen empor und betreten die "VIP-Tribüne", die sich als Ebene mit leider nur zwei Stufen entpuppt. Vorne ist natürlich alles voll, dahinter sieht man leider nur noch ab und an jemanden durch die Lüfte fliegen. Ansonsten stehen hier Spielekonsolen. Ich muss gestehen: Das, was die Jungs (warum eigentlich keine Mädchen?) da in der Luft so reissen, ist schon höchst beachtlich und verdient doch weitaus mehr Respekt als die Undertrouser-Akrobaten. Die Stimmung ist anfangs zwar noch recht verhalten, aber mit steigender Anzahl von Drehungen, Schrauben, usw. (ein Sprung heisst übrigens "Filmriss" oder so ähnlich) steigt auch die Stimmung im Publikum. Und auch ich lasse mich zu zwei-drei Klatschern verleiten. Bravissimo!

Ich ärger mich inzwischen tierisch, mein Fahrrad zu Hause vergessen zu haben und wage stattdessen nur eine 90 Graddrehung zur Bühne. Dort spielen um 15.45 Uhr DAN DRYERS. Habe ich noch nie was von gehört und nach einem halben Song ist mir auch klar warum. Absolut nicht meine Mucke, also ab in die Sonne, dem Lehrguttechniker und den Akrobaten zusehen. Hier harren wir eine ganze Zeit aus, bevor es nach zwei Stunden wieder rein geht um zunächst der beeindruckenden BMX-Endrunde und dann dem THE FLATLINERS-Konzert zu fröhnen. Der Vollständigkeit halber sei das hier erwähnt: "Den Titel der T-Mobile Extreme Playgrounds holten sich im BMX Dirt Jump der Amerikaner Rob Darden, sowie im Mountainbike Slopestyle der Münchner Überflieger Amir Kabbani." Als Preise gab es übrigens für jeden eine Spielekonsole...

Die Flatliners aus Canada überzeugen mich auch nicht wirklich, auch wenn sie musikalisch durchaus ausgereifter sind als ihre Vortänzer. Der Sound ist auch nicht wirklich der allerbeste und ich entscheide mich dafür, erst einmal wieder die Empore hinauf zu klettern um mir ein Astra zu gönnen und im VIP-Bereich zu den zahlreichen Flyern auf den Tischen auch auf insgesamt fünf Tischen je drei eigene Flyer zu legen, als mich auf einmal ein hoch und breit gebauter Mann mit Knopf im Ohr an die Schulter fasst und von mir wissen will, ob ich eine Genehmigung für das habe, was ich da gerade tue. Ich verneine mit dem Hinweis, dass ich davon ausgehe, dass das schon OK ist was ich und viele andere hier machen. Im folgenden Verhör muss ich schließlich Angaben darüber machen für wen ich die Flyer verteile (für mich?), was rilrec sei (ein Label?), wie mein Vor- und mein Nachname sind und wie oft ich heute schon Stuhlgang hatte. Na gut, letzteres bin ich mir nicht mehr so sicher, aber ich komme aus dem staunen gar nicht mehr raus, erst recht nicht, als der ebenso wirklich freundliche wie übermotivierte Securitist mich darauf hinweist, dass ich mich jetzt nicht zu entfernen habe und er Kontakt zur Produktionsleitung aufnimmt, da das Verteilen sicher verboten sei. Äh, zur Produktionsleitung? Nachdem ich mich keinen Milimeter bewegt habe, kommt der Herr nach 10-15 Minuten wieder um mir mitzuteilen, dass der Produktionschef (!) gerade in einer wichtigen Sitzung sei und wir auf ihn zu warten hätten. Alter.... in seiner Sitzung ist er sicher auch viel besser aufgehoben, als hier bei uns, es sei denn, er hat ernsthaft Interesse an nem Promosampler oder nem Guitar Gangsters-Album. Schließlich warten wir weitere 10-15 Minuten. Ich erhalte die Genehmigung, mir noch ein Bier zu holen, sofern ich mich nicht weiter entferne und als ich gerade bestellt habe, werde ich zur Seite gebeten und vom Sicherheitsmenschen von folgendem unterrichtet (wörtlich!): "Die Produktionsfirma hat soeben das Verteilen von Flyern VERBOTEN! Darüber hinaus müssen alle bereits verteilten Flyer sofort wieder eingesammelt werden. Aber (zwinkerzwinker), in dem Fall drücken wir einfach mal ein Auge zu." Scheiße, was bist Du cool inkonsequent. Ich staune (in erster Linie darüber, dass ich die 15 Flyer liegen lassen darf), verabschiede mich freundlich und bewege mich fort, während ich noch im Augenwinkel sehe, wie jemand, der auf einer Bank steht, um mal irgendwas sehen zu können, heruntergebeten wird. Irgendwann, wenn ich mal ganz reich bin, erlaube ich mir den Spaß und engagiere diesen Securitydienst für n Gig im AZ Mülheim.

Bis auf ein wenig "Prominenz" sind bekannte Gesichter relativ Mangelware. Frank und Dolores kommen noch spontan vorbei und erzählen mir, dass auch Nicole eigentlich so gut wie auf dem Weg war, jedoch vorab den Fehler gemacht hat, ihre Karte NICHT vorher von dem abzuholen, der die Karten mit zum Fortuna-Spiel genommen hat. Jetzt ist Nicoles Eintrittskarte leider in Polizei-Gewahrsam und Nicole sitzt in ihrer Wohnung in Düsseldorf.

Als NOFX als Headliner um 20.45 Uhr auflaufen, sind über 4.000 Menschen in der Halle. So riesige Konzerte sind alles andere als mein Ding. Aber ich sehe es ja ein, dass ich nicht erwarten kann, dass NOFX im T5 auflaufen. Die VIP-Empore ist leider so gebaut, dass nur die schmale Aussenseite zur Bühne hinzeigt und dort tummeln sich natürlich die Massen. Zum Glück ist dort jedoch noch eine recht lange und breite Treppe, auf der der Großteil der Leute in Zweierreihen stehen kann. So bleibt der Weg nach oben frei und alle können was sehen. Bestens. Doch da denken nicht immer leicht fällt, kommt auf einmal jemand daher um einen Order anzuweisen, dass die Treppe komplett freibleiben muss. Auf mein Unverständnis hin macht die anweisende Person sich sogar die Mühe zu mir zu kommen um mir ein "willst Du etwa mit mir diskutieren?" entgegenzuwerfen. "Nee, ich hab wirklich besseres zu tun, aber hier sind locker 3-4 Meter Platz, wo alle inklusive Gegenverkehr vorbei kommen und wenn Du jetzt alle nach oben schicken lässt, staut sich der ganze Scheiß am Durchgang und kein Arsch kommt mehr vorbei, was mit Sicherheit "gefährlicher" ist, als wenn auf ner 5 Meter breiten Treppe die Leute am Rand stehen. Aber Du hast ja hier die Verantwortung..." - "Genau, ICH hab hier die Verantwortung." - Da gratuliere ich auch herzlichst, während ich runterblicke und sehe, wie ein weiterer Ordner die Kids von einem Geländer runterscheucht, wo sie lediglich drauf gesessen haben und wo es wirklich absolut überhaupt keinen Grund geben könnte, warum man hier nicht sitzen sollte. Ich bin ja nun zum Glück inzwischen soweit, dass ich mich über soviel Mangel an selbständigem Denken nicht mehr aufrege, frage mich aber immer wieder aufs neue, wozu solche Menschen noch in der Lage wären, wenn sie halt "nur ihren Job" machen.

NOFX haben nachwievor ne Menge Feuer im Arsch. Einige "neuere" Songs kenne ich leider nicht einmal mehr, aber die alten machen dafür umso mehr Spaß. Wir bewegen uns schließlich irgendwann runter, weil hier oben der Sound noch beschissener ist als unten. Und zu meiner Überraschung kommen wir sogar einigermaßen durch, bis wir auf Caddi und Konsorten treffen. Also verweilen wir noch eine Weile (aha), ehe es in der Gewissheit "mal was anderes gesehen" zu haben, Richtung VIP-Parkplatz geht um mit dem VIP-Auto nach Hause in die VIP-Stadt in meine VIP-Wohnung zu fahren.

Quintessenz: Dank des Wetters n wirklich gelungener Sonntag mit viel unfreiwilliger Komik. Also im Grunde so ziemlich das, was man auch erwarten konnte. Was die Größenordnung angeht ist mein Bedarf für 2009 (bis 2029) auf jeden Fall erst einmal gedeckt. Meine persönliche Liedeserklärung an alle autonome Zentren. Prost!

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