Samstag, 25.04.26, 15:30 Uhr, Bundesliga (M), 31. Spieltag, Albstadion
Disclaimer: Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.
Vorgeplänkel
Ein Spiel, auf das ich mich mal so richtig freue. In Heidenheim war ich noch nie, das fiel irgendwie immer auf unseren Urlaub. Ich verabscheue diese ganzen großen und oft gleich aussehenden Arenen*, auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass in den deutlich cooleren und (im Regelfall) deutlich kleineren Stadien viele Fans auf Grund der Kapazitäten ausgeschlossen werden. Das hat uns bei Union Berlin getroffen, dieses Mal aber zum Glück nicht. Sollten wir - in welcher Liga auch immer - z.B. auch wieder Elversberg als Gegner haben, ist das für mich kein "wir müssen" sondern "wir dürfen" nach Elversberg. Im Aufstiegsjahr war das für mich eine der schönsten Auswärtsfahrten ever. Dass wir auf Jahre nicht mehr in den Genuss eines FCSP-Spiels in Sandhausen kommen, bereue ich zutiefst.
*warum die Heidenheimer*innen ihr Schmuckkästchen unbedingt AUCH "Arena" nennen mussten, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich schiebe das mal voll umfänglich auf den Namensgebenden Sponsor.
Alleine die Heidenheimer Gäst*innen-Infos erscheinen mir schon irgendwie sympathischer, als bei den meisten anderen Vereinen. Und alles was mir vorab berichtet wurde, klingt auch gut. Ich bin jespannt und hoffe auf ein entspanntes Awayspiel mit 3 Punkten für die Unsrigen. So entspannt das für mich halt sein kann. Das Sportliche sowieso außen vor gelassen.
Matchday
Es fing alles so schön an: Anreise durch den Wald um die Kapazitäten noch einmal ein Stück aufzuladen.


Dort angekommen eine für mich erträgliche Menschenmenge und alles noch schön. Wir begrüßen und schnacken mit ein paar bekannten Leuten und sind irgendwas zwischen nervös und spannender Erwartung. Auf dem kleinen Vorplatz ist bereits ein Getränkestand aufgebaut und der FCSP-FC Georg Elser bittet zum Tipp-Kick Torwandschießen. Für eine kleine Spende gibt es schon vor dem ersten von 3 Schüssen den Trostpreis augehändigt: Eine Flasche Bier, wahlweise auch - zu meiner großen Überraschung und Freude - alkoholfrei. Ich treffe 3 x die Torwand, yeah! Aber leider nicht das Loch darin. Einen netten Schnack später entscheiden wir uns am Folgetag doch noch die Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronn mitzunehmen, die wir heute auf Grund der zu vermeidenden zeitlichen Hektik noch außen vor gelassen haben.

Der Einlass erfolgt völlig problemlos. Die Eingänge für E1/E2 (Hintertor) und D2 (Gerade) sind getrennt und die Atmosphäre ist noch richtig gut. Am Getränkestand werde ich von der Servicekraft völlig irritiert gefragt, ob wir alle mit dem Auto da wären oder warum "alle" alkoholfrei trinken würden. Das sei sie gar nicht gewohnt. Und ich muss zugeben, dass ich ebenfalls verblüfft bin. Tatsächlich läuft mir heute auch niemand mit Ausfallerscheinungen über den Weg. Wenigstens etwas Erfreuliches.

Kurz vor dem Einlaufen wird ein Song gespielt und ich denke zunächst, das sei Thees und der FCH wolle uns was Gutes ("das Gegenteil von gut ist gut gemeint"). Tatsächlich entpuppt sich das lahme Liedgut jedoch als Heidenheimer Hymne. Währenddessen läuft schon mal eine Horde Kids über den Platz und angesichts meines mangelnden Zeitgefühls vor Fußballspielen denke ich kurz: "Krass, so viele Einlaufkinder, da sieht mensch ja die Spieler gar nicht mehr."

Alles ist gut, alles ist toll und angerichtet für den notwendigen großen sportlichen Schritt. Wundervolle Choreo von uns, die ich seitlich leider nicht so gut eingefangen bekomme. Von weiten sah das sicher fantastisch aus mit der Hand, die die Fahnenstange hält. Präsentiert wird das ganze in zwei Teilen. Zunächst die Lotta Continua-Choreo:


Im Anschluss gibt es eine Schweigeminute für den mit 57 Jahren viel zu früh verstorbenen Leiter des FCH-Nachwuchsleistungszentrums Roger Prinzen. Tatsächlich schafft es jede einzelne Person im Stadion ohne den Drang, die Ruhe dazu zu nutzen, sich selber durch einen Zwischenruf in den Mittelpunkt zu stellen, die Schweigeminute würdig vonstatten gehen zu lassen. Ist ja leider keine Selbstverständlichkeit in teutschen Stadien. Ruhe in Frieden, Roger Prinzen.
Im Anschluss gibt es dann den 2. Teil unserer Choreo:

Und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Wir müssen früh dem Rückstand hinterher laufen. Andréas hat die Riesenchance zum Ausgleich, doch irgendwie ist der Keeper noch dran und lenkt den Knicker um den Pfosten.
Auf den Rängen wird alles gegeben und auch unser D2-Block macht (zumindest auf unserer Höhe, den Rest kann ich nicht komplett beurteilen) richtig gut mit. Die Handverletzung unseres Capo's, die in der Halbzeit von Notfallsanis versorgt werden muss, steht sinnbildlich für den Einsatz in den Away-Blöcken.
Die 2. Halbzeit wird alles nur noch schlimmer. Wir finden kein Mittel, nur Danel hat noch mal eine aussichtsreiche Möglichkeit. Am Ende feiern OKF-Macker in der Heidenheimer Kurve den auf einmal doch wieder berechtigten Hoffnungsschimmer, während wir komplett kosterniert die Köpfe hängen lassen oder schütteln. (Mehr zum Sportlichen wie gewohnt beim Millernton.)
Als das Team sich auf den Weg zur Kurve macht, wartet bereits an der Bande der Capo um ins Gespräch mit Hauke Wahl zu gehen. Ich will nicht spekulieren, es sah alles durchaus freundschaftlich und auf Augenhöhe aus. Später gibt es auch noch ein 4-Augen-Gespräch zwischen Capo und Alex, was mit einer Umarmung als Verabschiedung endet. Die aufbauende Verabschiedung im Anschluss fällt jedenalls aus und die wäre heute wohl kaum möglich gewesen und ein längerer Aufenthalt der sowohl enttäuschten, als auch enttäuschenden Spieler eher kontraproduktiv. Der Großteil der Blöcke schweigt voller Ratlosigkeit. Erst als ein paar wenige Leute dem Team zu verstehen geben, dass sie sich dem Block erst gar nicht weiter nähern sollen, flammen ein paar SANKT PAULI-Rufe auf. Aber längst nicht so, wie nach Niederlagen zum Aufbauen gewöhnt. Es überragt die Fassungslosigkeit, gepaart mit unnötigem Gepöbel eher weniger Leute und wenig druckvollen, verhaltenen Aufbauversuchen.
Wir machen dank üblicher Absperrungen im großen Bogen erstmal zurück zur "City" (30-40 Minuten Fußweg), wo wir versuchen uns im "Hummus & Co." noch was Gutes zu tun, um den Frust irgendwie ein Stück einzudämmen. Das funktioniert natürlich kein Stück. Wir können noch von Glück reden, dass Wolfsburg gegen Gladbach nur einen Punkt geholt hat und wir noch immer auf dem Relegationsplatz stehen. Doch die Zweifel, dass wir diesen tatsächlich weiter verteidigen können, wird größer. Der Blick auf das komplett rettende Ufer immer ferner. Kommt es am Ende tatsächlich zum großen Finale am Millerntor, wie soll mensch das überhaupt aushalten?
Es ist schon komisch: Ich fand die Fahrten in Liga 2 in der Summe deutlich geiler, als die im Oberhaus. Ich fahre viel lieber nach Darmstadt und Elversberg, als nach Dortmund und Leverkusen. Aber dennoch schlägt das Fanherz nun mal so, dass ich auf keinen Fall wieder absteigen will und dafür bis zum Saisonende auch alles geben werde.
Trotzdem war das hier möglicherweise erst einmal der letzte Bericht. Ich war ja schon einmal an dem Punkt, wo ich das angekündigt hatte, dann aber die Finger doch wieder nicht still halten konnte. Ich merke aber, dass die Schreiberei derzeit mehr Überwindung, als Sinn für mich bedeutet. May be, dass ich das nächste Woche schon wieder anders sehe. Falls hier aber nichts mehr folgt, wundert Euch nicht.
Gute Nacht!





























