Freitag, 04.09.26, 18:30 Uhr, 2. Bundesliga (M), 4. Spieltag, Bielefelder Alm
Diese(r) Blog(-Rubrik) ist im Stile alter klassischer Punk-Egozines (Ego-Fanzines) gestaltet. Sprich es geht hier primär um das (Er)Leben der jeweils schreibenden Person und das kann manchmal sehr weit über den vorgeschobenen Aufhänger (das Spiel) des Berichtes hinaus gehen. Wir haben weder den Fokus auf (Vollständigkeit) fanspezifische(r) Themen und erst Recht nicht auf das sportliche Geschehen. Für beides sehen wir andere digitale und physische Publikationen für geeigneter an und auch nicht alles was uns durch die Hirse geht und/oder geschieht, muss hier auch rein. Es ist also alles sehr persönlich und geht häufig über den Spieltag hinaus. In diesem Sinne: Enjoy oder auch nicht.
Vorgeplänkel - Matchday morning
Es sind nicht all die Essensfotos, die das Internet unnötig vollmüllen und seine Existenz bedrohen, sondern dieser sich ständig wiederholende, ausgelutschte Witz über die (Nicht-)Existenz Bielefelds. Erstaunlich für eine Stadt, die es gar nicht gibt.
Ach scheiße, verdammter Reflex.
Könnt Ihr auch ganz leicht selber testen. Schaut einmal auf dieses Foto (vegane Pizza, irgendwo in Bielefeld vor dem Spiel, lecker):

Und? Irgendwas passiert? Nö. Und jetzt schreibt Ihr in irgendeine Kommentarspalte, dass es Bielefeld nicht gibt.
Und? Habt Ihr gemerkt, wie das Licht in Eurem Zimmer geflackert hat? Ich sag's ja.
Dabei weiß ich sehr wohl um die Daseinsberechtigung dieser Stadt, die sich primär durch das wunderschöne AJZ Bielefeld begründet. Ohne zu wissen, wie da in Zeiten wie diesen gerade der Stand der Dinge ist (die Pizza kommt da jetzt noch zu).
An die Alm habe ich hingegen keine guten Erinnerungen. Was allerdings eher der Tatsache geschuldet ist, dass mein Erinnerungsvermögen scheiße ist. Denn wirklich schlechte habe ich auch nicht. Ein Grund mehr diesen Blog hier vor allem für mich selber (temporär) weiter zu führen.
Ansonsten ist mir zur Zeit alles andere als nach Späßen und auch die Fahrt nach Ostwestfalen eher ein Stück willkommene Ablenkung als so richtig voll Bock drauf. Kommt sicher spätestens wenn wir nachher da sind und Kaars mit dem 0:3 den Deckel drauf macht. Wie sehr würde ich es ihm gönnen.
Matchday: Anreise, Stadion, Rahmenbedingungen (check, check!)
Regen, Regen, Regen. Wir sind - siehe Foto oben - bereits gegen Mittag angereist und verbringen einen Großteil der Zeit mit Unterstellen. Dann geht es zum Gäst*innen-Eingang, allerdings mit Extraschleifchen, weil der früher mal für Jedermensch begehbare Durchgang an der Melanchthonstraße (der Sinn macht, wenn mensch aus der City kommt) streng bewacht und für Fußballfans mindestens genauso streng verboten ist (natürlich auch für den Rückweg). Warum? Keine Ahnung. Cops zum Aufpassen - worauf auch immer - sind hier offensichtlich mehr als genug vorhanden. Der Durchgang endet auf direktem Weg genau dort (weit, weit abseits vom Heimbereich und ohne die Möglichkeit von Weg-Kreuzungen) wo wir gleich stehen und warten werden, bis das Durchgangstor zum 65 Meter entfernten 2. Durchgangstor geöffnet wird und wir dann nochmal 75 Meter weiter über den tiefen Schotterboden zum tatsächlichen Eingang latschen dürfen. (Jahahaaa, ich recherchiere so einen unnötigen Scheiß wie Entfernungen beim Schreiben tatsächlich... HSP und so.)
Also Schleifchen machen und weiter die Schloßhofstraße entlang. So müssen wir ca. 500 zusätzliche Meter durch den strömenden Regen latschen, anstatt vor besagtem ersten Tor 10 Minuten länger im strömenden Regen zu stehen. Buuuh!
Einlass - so früh wie wir immer da sind - dann aber auch wieder easy peasy, außer dass wir mal wieder am falschen Eingang stehen, weil das mit dem Steh- und Stehsitzblockeingängen mal wieder beschissen beschildert ist oder ich (aber auch viele andere) es in meiner Nervösität nicht wahrnehme. Apropos: Die Bielefelder Alm ist nicht nur fußläufig von der City aus erreichbar (20-30 Minuten und für mich sowieso immer sehr, sehr wichtig), sondern auch nach wie vor eins der schöneren Stadien, verglichen mit diesen ganzen "neuen" Kackarenen am Arsch der Heide.

Was nur so richtig beschissen ist, ist der Gäst*innen-Steher, der gefühlt hinter der Haupttribüne versteckt ist. Das sahen wohl auch USP & Co. so und stehen - Stimmung für uns da oben - unten auf den Stehsitzern.
Apropos II.: Für diese Plätze hinter dem Tor zahlen wir hier für ein Zweitligaspiel 46 Ocken! Habt Ihr den Arsch auf? Das sind über 20% mehr als in Kiel (unser erstes Away-Spiel), über 30% mehr als in Cottbus (unser nächstes Away-Spiel), ca. 25% mehr als bei unserem letzten Erstligaspiel in Leipzig und über 35% mehr als das, was Ihr bei uns abdrücken müsst. Wenn ich noch ein paar weitere Spiele in Liga 1 (!) zurückblättere, liegen wir durchgehend für offizielle Awaysitzer bei Preisen zwischen 30 und 40 Ocken (immer inkl. der Gebühr, die der Ticketshop noch draufschlägt). Oder ist es dieses Luxusgefühl nicht in diesem scheiß Stehblock stehen zu müssen, das Fan mitbezahlt?

Für Speis, Trank und Fäkalienablass geht es von ganz oben wieder ganz runter auf eine Ebene, die noch unterhalb der Spielfeldebene liegt. Dortmund Vibes. Dort wartet ein Getränke-, ein Pizza- und noch ein Essensstand mit großem Potential für lange Schlangen (ich war da nicht, so wurde mir aber berichtet). Und - taraaa - gerade einmal 6 (!) Frauen-Klos (die wir hier immer so nennen, weil sie eben auch so bezeichnet sind, denn Fußballstadien sind nun mal kein Willkommensgebiet für Menschen, die sich in diesen binären Geschlechterkategorien nicht wiederfinden). (Edit zitiert eine Zuschrift: "auf der anderen Seite der Treppen in den Block (rechts, wenn mensch ins Stadion kommt) gab es weitere Frauen-WC, ich weiß aber nicht wieviele, da ich mich links (bei den Versorgungsständen) anstellte und besagte 6 vorfand.") Allerdings sieht das am Millerntor nach wie vor nicht großartig anders aus. Zwar gibt es inzwischen ausreichend FLINTA*-Eingänge (sehr gut!), bei der WC-Situation allerdings sieht das alles noch sehr mau aus.
Und wen es interessiert: Als alkfreies Bier gibt es diese viel zu süße Krombacher-Plörre.
Das positivste in Sachen Drumrum bildet am Ende unser heutiges Umfeld. Da stehen Menschen neben uns, die wir ins Herz geschlossen haben, die aber trotzdem nur sehr selten neben uns stehen (zu Hause anderer Bereich, away häufig Blockmäßig getrennt). Dazu gesellen sich weitere angenehme Personen aus deren Umfeld. Ich habe da zwar augenscheinlich nicht soo viel von, da ich (ebenfalls) HSP-bedingt so gut wie gar nicht in der Lage bin mich überhaupt im Stadion zu unterhalten (z.B. weil eine Filterung von Nebengeräuschen wie Lautsprecherdurchsagen, Musik und Stimmengewirr bei mir nicht funktioniert). Aber alleine das Gefühl ist schon sehr schön und macht viele der Strapazen bis dahin zunichte.
Matchday: Das (verdammte) Spiel
Millernton-Tim (klick hier für den Spielbericht) hatte mich auf der PK sehr verunsichert, als er Marcel eine Frage stellte, die mit dem bisherigen aufstiegsreifen xG-Wert der Arminina zusammenhing. "Müssten am xG-Wert gemessen ganz oben stehen" (oder so ähnlich) ließ Tim dort verlauten. Ach shit und ich dachte, wir gewinnen mal 3:0.
Trotzdem starten wir wieder gut und geraten dennoch - mal wieder - durch einen individuellen Fehler in Rückstand. Wir kommen zurück, geraten erneut in Rückstand und gleichen erneut aus. Blablabla, wisst Ihr alles, wir sind hier nicht der Kicker. Hier geht es im klassischen Fan-Zine-Sinne um das persönliche Empfinden: Und dieses ist auch dieses Mal weit von vielen digitalen Kommentaren entfernt. Abgesehen davon, dass die häufig geforderte offensivere Spielweise des Teams klar ersichtlich ist (aber auch die noch immer teils wackelige Abwehr), sehe ich auch ein ordentliches (längst nicht perfektes) Spiel von uns mit einem weniger zufriedenstellenden, aber unterm Strich wohl gerechten Ergebnis.
Entsprechend ist mit Schlusspfiff der Block wie abgeschnitten mucksmäuschenstill. Als das Team zur Kurve kommt, bekommt es den verdienten Applaus und Mut machende Worte. Wir skandieren noch einmal lautstark, bevor sich auch das Team von uns mit eher gesenkten Köpfen verabschiedet. Es hat mal wieder nicht mit dem Dreier geklappt und trotzdem ist mir - geborenem Pessimist - nicht bange. Ich sehe über weite Strecken gute Spiele in einer ausgeglichenen Liga, in der ich uns aber stark genug einschätze, um da unten raus zu kommen. Zeit ist noch mehr als genug und meine Erwartungshaltung ist eh nicht der direkte Wiederaufstieg. Ich bin nach wie vor - abgesehen vom Punktekonto und Tabellenstand - fein mit allem. Diese Ekstase bei den beiden Toren gibt mir zusätzliche Kraft.
Der Rückweg zum im City-Parkhaus abgestellten Auto verläuft - die unnötige Schleife mal außen vorgelassen - problemlos. Apropos III.: Ich spähe im Augenwinkel tatsächlich einen Weg ohne Schleife aus, der mich angesichts der gelassenen Lücke kurz aufgrinsen lässt. Ein Ausnutzen dieser würde aber sicher - symbolisch - Haue mit dem Knüppelchen nach sich ziehen, so dass wir die +500 Meter trotz des noch immer schmerzenden, gesprochenden Zehs in Kauf nehmen. Verdammte Axt, ich sollte den Schabbel* jetzt wirklich mal so langsam schonen.
Ausfahrt aus dem Parkhaus wegen nicht funktionierendem Irgendwas holprig, dann geht's aber flott weiter und gute Nacht!
*Schabbel: umgangssprachlich für "Fuß". Zumindest meiner Erinnerung nach, das Netz behauptet das Gegenteil. Waren die provozierten Bielefeld-"Witze" (sic!) doch zu viel fürs WWW? Eure Anmerkungen dazu bitte in die nicht vorhandene Kommentarspalte.














