Ich muss zur 3. FSME-Impfung. Es sollen heute 27 Grad werden und eigentlich ist mir das viel zu warm, auch wenn der Termin bereits um 9:45 Uhr ist. Da ist es noch deutlich kühler.

Hin laufe ich. Knapp 30 Minuten. Schwierig, weil ich am liebsten in 0 Minuten da wäre und draußen auch niemanden treffen will. Aber ich muss mich auch mal bewegen. In der Woche gehe ich eigentlich nur noch zum einkaufen vor die Tür, und fülle in der übrigen Zeit nur die am Wochenende leer gesaugten Kapazitäten wieder auf. Diese Ambivalenz aus "gewisse Dinge unbedingt machen wollen" (FCSP-Spiele, das Drumherum etc.), das dann auch (fast) Woche für Woche durchzuziehen und die persönlichen Folgen (Stichwort: Hochsensibilität) zu bewältigen, sind eine ständige Herausforderung.

Ich bin 20 Minuten zu früh da (natürlich!) und muss insgesamt 45 Minuten warten. Obwohl es im Wartezimmer ruhig ist, kriege ich das nur hin, wenn ich alle paar Minuten mal die Augen schließe. Warum dauert das so lange? Es wird sicher immer wärmer und ich habe noch nichts gegessen. Ich bin total schmerzempfindlich und habe eh schon Schiss genug, dass mich die Spritze umhaut. Wie immer geht es hier trotz mäßig gefülltem Wartezimmer nur sehr schleppend voran.

Jetzt wird es doch laut. Eine Mutter kommt mit ihren Kindern rein, eins muss aber direkt aufs Klo. Also gehen sie nach hinten durch und können offenbar danach direkt ins Behandlungszimmer. Gut so, dann sind die erstmal weg. Ich könnte das Laute jetzt kaum ertragen.

Endlich dran. Ich versuche mit halbwegs lockeren Sprüchen (bilde ich mir zumindest ein) die letzten Minuten bis zur Impfung zu überbrücken. Das hilft tatsächlich, ich werde merklich gelöster. Doch dann dauert es wieder. Die Person, die mich impft (und das beim letzten Mal sehr gut gemacht hat) muss erst noch das endgültige OK des Arztes einholen. Warum schnackt sie dann die ganze Zeit belangloses Zeug mit einer Kollegin?

Ah, jetzt, endlich. Der Arzt will selber impfen. Hoffentlich macht der das auch so gut. Gelöstes Gespräch, dann geht es ganz schnell und war am Ende völlig easy.

Jetzt noch schnell zum wählen. Bloß nicht nochmal in die City müssen. Ich werde gefragt, ob mir die Wahlunterlagen für eine Stichwahl zugeschickt werden sollen. Ich antworte ganz spontan "Ja", dann fällt mir ein, dass das mit meinem Urlaub nicht hinhaut. Ich würde es zwar schaffen, nochmal ins Wahlbüro zu gehen, aber die Wahlunterlagen kämen zu spät. Scheiße! Dabei ist hier die Stichwahl vermutlich wichtiger, als das hier jetzt. Aber ändern kann man das nicht mehr, weil bereits im System abgeschickt. Mist, aber selber Schuld.

Ich kriege 5 Wahlzettel und bin total überfordert. Wo wählt mensch denn jetzt wirklich nur eine Person? Das beeinflusst meine Wahlentscheidung halt. Klar beim Bürgermeister*innenamt, da kann ja nur eine*r gewinnen. Aber auf den anderen stehen teilweise auch Namen neben den Parteien. Mindestens einmal verwähle ich mich vermutlich. Ach Scheiße, schnell in die Urne werfen und wieder raus hier.

Da steht tatsächlich mein Bus. Sonst dauert es immer ewig bis der kommt und dann laufe ich lieber, anstatt zu warten. Obwohl die Strecke - mit viel Berg auf am Ende - zurück echt scheiße ist. Wenn ich jetzt laufen müsste, würde ich wieder Selbstgespräche führen über das, was mir heute schon alles passiert ist. Dabei ist eigentlich nicht wirklich was passiert - zumindest aus Sicht anderer Menschen - und der Tag hat gerade erst angefangen.

Ich renne über die Straße, ab in den Bus, Probleme mit der Ticket-App, scheiße! Aber der Busfahrer sagt, ich solle ruhig durch gehen. Dann geht es. Ich sitze, atme durch. Dann aussteigen. Ich nehme direkt mein Handy und tue so, als würde ich telefonieren. Ich will mich auf keinen Fall mit irgendwem aus der Nachbarschaft unterhalten. Um 10:45 Uhr bin ich wieder zu Hause und komplett überreizt. Mehr schaffe ich heute nicht. Ab aufs Sofa und den Tag für beendet erklärt.